Wissenswertes

Was ich tue:
Von Hunden, Hormonen und anderen Leidenschaften
Tierärztin · Autorin · Dozentin · Fotografin
Applied Neuroscience · Resilienztrainerin
Ich beschäftige mich mit Hunden und ihrem Verhalten – und ganz besonders mit der Frage, was eigentlich im Hund passiert, bevor wir das Ergebnis irgendwann als Verhalten zu sehen bekommen. Meine fachlichen Schwerpunkte liegen entsprechend dort, wo Verhalten und Körper sich begegnen: bei Stress und Resilienz, Neurobiologie und Endokrinologie, Schmerz, Schlaf, Ernährung und Mikrobiom, Sexualhormonen und Entwicklung.
Heute vermittle ich dieses Wissen vor allem in Seminaren und Webinaren für Hundehaltende sowie Fachleute aus Hundetraining und Tiermedizin, als Dozentin in Hundetrainerausbildungen und als Autorin von Büchern und Fachartikeln. Wissenschaftlich fundiert, verständlich und möglichst nie völlig humorbefreit.
Wer mehr wissen möchte: Es gibt auch eine längere Version. Ich habe schließlich nicht umsonst Bücher geschrieben.
Wer ich bin

Von Hunden, Hormonen und anderen Leidenschaften
Geboren wurde ich in Marbach am Neckar als halb Schwäbin und halb Belgierin – ich bin sozusagen der perfekte Hybrid zwischen Spätzle und Pommes („Fritjes“). Tierärztin wollte ich schon immer werden, nicht ganz unschuldig daran waren James Herriot beziehungsweise „Der Doktor und das liebe Vieh“. Also studierte ich später tatsächlich Tiermedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München und arbeitete anschließend in Großtier- und Gemischtpraxen im Allgäu und im Großraum München.
Die Wirklichkeit hatte dort durchaus ihre Herriot-Momente; Morbus Crohn, Rheuma und kalbende Kühe erwiesen sich auf Dauer allerdings als eher ungünstige Kombination. Ich musste die praktische tierärztliche Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen an den Nagel hängen. Das gehörte zunächst nicht unbedingt zu den Wendungen, für die ich besonders dankbar war, aber rückblickend wurde die daraus entstandene Selbstständigkeit „rund um den Hund“ zu einer der besten Entscheidungen meines Lebens – obwohl ich diesen Weg freiwillig vermutlich nie eingeschlagen hätte.
Es sollte nicht das letzte Mal bleiben, dass eine unfreiwillige Planänderung im Rückblick ganz anders aussah als mittendrin. Vielleicht frage ich mich deshalb heute seltener „Warum?“ und häufiger „Wozu?“. Das Warum hilft selten weiter, das Wozu hingegen erstaunlich oft.
Webinare & Seminare
Viele Jahre war ich in der Beratung von Hundehaltenden tätig; heute liegt der Schwerpunkt meiner Arbeit auf Seminaren und Webinaren für Hundehaltende sowie Hundetrainer:innen und Tierärzt:innen. Daneben bin ich als Dozentin in verschiedenen Hundetrainerausbildungen tätig und genauso online unterwegs wie in Präsenz – dann häufig mit meinem Camper und fünf Hunden irgendwo im deutschsprachigen Raum.
Besonders fasziniert mich bis heute die Frage, was eigentlich im Hund passiert, bevor wir das Ergebnis irgendwann als „Verhalten“ zu sehen bekommen. Endokrinologie, Neurobiologie und Physiologie begeistern mich entsprechend sehr – was vermutlich nicht jeder Mensch über Cortisol, Neurotransmitter und die HPA-Achse behaupten würde.
Stress und Resilienz, Schmerz, Schlaf, Ernährung und Mikrobiom, Sexualhormone und Entwicklung gehören ebenso zu meinen Themen wie die körperlichen Ursachen von Verhaltensveränderungen. Mich interessiert das Zusammenspiel: Was macht der Körper mit dem Verhalten – und was macht Verhalten wiederum mit dem Körper? Warum kommt ein Hund mit einer Belastung zurecht, während ein anderer daran verzweifelt? Und was können wir verändern, damit es ihm besser geht?
Weiterbildungen in Applied Neuroscience – der praktischen Anwendung neurowissenschaftlicher Erkenntnisse – und meine Ausbildung zur Resilienztrainerin haben diesen Blick noch einmal erweitert. Mich interessiert nicht nur, was Lebewesen aus dem Gleichgewicht bringt, sondern vor allem auch, was ihnen hilft, wieder hineinzufinden.
Resilienz – nicht nur aus dem Lehrbuch
Resilienz kenne ich allerdings nicht nur aus Fachliteratur und Fortbildungen, sondern vor allem aus einem ziemlich umfangreichen Praxis-Workshop namens Leben. Krankheit, berufliche Umbrüche und schwere Verluste haben mir gezeigt, dass Resilienz nicht bedeutet, unverwundbar zu sein.
„Die Krise als Chance“ gehört zu den Sätzen, die man sich getrost sonst wohin schmieren kann, während man gerade mitten in einer steckt. Im Rückblick habe ich allerdings mehr als einmal festgestellt, dass etwas Wahres darin steckt. Nicht jede Krise macht uns stärker, und manches hätte ich mir auch mit reichlich zeitlichem Abstand sehr gerne erspart. Aber bewältigte Krisen können uns die Erfahrung mitgeben, dass wir etwas tun können, dass auch scheinbar endlose Zustände sich wieder verändern und dass wir ihnen nicht vollkommen ausgeliefert sind.
Mit jeder solchen Erfahrung kann das Vertrauen wachsen, auch mit der nächsten schwierigen Situation irgendwie fertigzuwerden – und genau darin steckt ein wichtiger Teil von Resilienz.
Ausgerechnet in einer der schwersten Zeiten meines Lebens hat mir dabei irgendwann mein Wissen über Hunde geholfen. Nach dem Tod der Liebe meines Lebens habe ich mich tatsächlich gefragt: Was würde ich jetzt eigentlich tun, wenn ich ein Hund wäre? Genauer gesagt: Was würde ich einem Hund empfehlen, dem es gerade so schlecht geht wie mir?
Und plötzlich hatte ich Antworten. Ich würde dafür sorgen, dass er frisst und schläft, ihn bewegen, aber nicht überfordern, soziale Nähe und Rückzug ermöglichen, Sicherheit und Struktur schaffen und Dinge tun, die ihm guttun, auch wenn sie das eigentliche Problem nicht lösen.
Hunde sind eben auch nur Menschen – oder vielleicht sind Menschen manchmal auch nur Hunde.
Natürlich wird sich kein Hund fragen, warum ihm etwas passiert oder wozu es am Ende gut gewesen sein könnte. Aber auch er kann die Erfahrung machen, dass schwierige Zustände vorübergehen, dass sein eigenes Handeln einen Unterschied macht und dass er einer Belastung nicht vollkommen ausgeliefert ist. Selbstwirksamkeit ist schließlich keine rein menschliche Ressource.
Wissen darf unterhaltsam sein
Ich glaube, dass auch der Humor einen ganz wesentlichen Anteil an meiner eigenen Resilienz hat. Nicht, weil das Leben immer lustig ist oder man Schwieriges weglachen sollte oder könnte, sondern weil ein Augenzwinkern manchmal den Blickwinkel verändert und den Dingen ein kleines bisschen von ihrer Schwere nehmen kann.
Diese Haltung findet sich auch in meiner Arbeit wieder. Ich bin davon überzeugt, dass Wissen besser hängen bleibt, wenn es mit Emotionen verknüpft ist. Das kann Humor sein, aber genauso Staunen, Mitgefühl oder auch Traurigkeit. Wenn bei meinen Vorträgen über alte Hunde am Ende die Taschentücher herausgeholt werden, betrachte ich das deshalb nicht unbedingt als misslungenen Vortrag. Im Gegenteil: Dann habe ich Menschen nicht nur Wissen vermittelt, sondern sie auch berührt. Denn was uns berührt, erinnern wir anders als das, was wir lediglich gehört oder gelesen haben.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich wissenschaftliche Inhalte so gern mit Geschichten verbinde.
Von Büchern und der Strodtbeckschen Schnauze
Das Schreiben ist längst zu einem weiteren beruflichen Zuhause geworden. Ich habe zahlreiche Bücher und Fachartikel über Hunde, Verhalten und Gesundheit veröffentlicht. Besonders am Herzen liegt mir „Graue Schnauze, großes Herz“, mein gemeinsam mit Michael Frey Dodillet geschriebener erster Roman, der es auf die SPIEGEL-Bestsellerliste geschafft hat.
Für mich war dieses Buch genau die Art von Infotainment, die ich liebe: eine Geschichte erzählen, unterhalten, zum Lachen bringen, vielleicht auch ein bisschen zum Weinen – und nebenbei Wissen vermitteln. Im Grunde ist das bis heute mein Anspruch. Fachlich fundiert darf unterhaltsam sein, und komplexe Zusammenhänge dürfen verständlich werden, ohne dass man sie dafür bis zur Unkenntlichkeit vereinfachen muss.
Reichlich Stoff dafür liefern mir seit vielen Jahren meine eigenen Hunde. Perfektion war bei ihrer Auswahl nie ein wesentliches Kriterium, und so haben ihre Ecken, Macken und ausgesprochen individuellen Lösungen für die Herausforderungen des Lebens schon so manchen Text bereichert.
Eine Redakteurin eines Hundemagazins schrieb mir einmal, sie kenne kaum jemanden, der es schaffe, die Macken seiner eigenen Hunde so liebevoll zu verpacken. Mein Schreibstil bekam dort irgendwann sogar einen eigenen Namen: die „Strodtbecksche Schnauze“.
Damit kann ich ausgesprochen gut leben.
Knipserei, Turmfalken und andere Leidenschaften
Wenn ich gerade nicht schreibe, unterrichte oder mich mit Hunden beschäftige, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass eine Kamera oder ein Turmfalke im Spiel ist.
Die Fotografie ist seit vielen Jahren eine weitere große Leidenschaft. Auch dort geht es mir letztlich um das Tier hinter dem Bild, um Persönlichkeit, Ausdruck und den einen Moment, in dem davon etwas sichtbar wird. Ein gutes Tierfoto muss für mich nicht nur schön sein. Im besten Fall erzählt es etwas über das Tier, das darauf zu sehen ist.
Außerdem betreibe ich in Zusammenarbeit mit einer Greifvogelauffangstation eine Auswilderungsvoliere für junge Turmfalken. In den vergangenen Jahren habe ich zahlreiche Jungvögel versorgt und auf ein selbstständiges Leben in Freiheit vorbereitet – zusätzlich zu einem Haushalt voller Hunde und allem, was das Leben sonst noch so an Überraschungen bereithält. Für mich ist es ein Geschenk, in die Welt einer ganz anderen Tierart so intensiv eintauchen und ihr Verhalten kennenlernen zu dürfen.
Die Strodtbeck-Meute
Hunde begleiten mich, seit ich denken kann. Meistens leben vier mit mir, manchmal fünf und gelegentlich überraschenderweise auch nur drei gleichzeitig.
Aktuell besteht die Strodtbeck-Meute aus Piranha, Rita, Rowi, Sprotte und Mupfel – fünf Persönlichkeiten mit höchst unterschiedlichen Biografien, Talenten, Befindlichkeiten und Vorstellungen davon, wie ein gemeinsamer Haushalt sinnvollerweise zu organisieren ist.
Sie sind Familienmitglieder, Reisebegleitung, Anschauungsmaterial, Ideengeber und gelegentlich unfreiwillige Teilnehmer meiner persönlichen Feldstudien über Stress, Resilienz, Lernen, Hormone und die erstaunliche Kreativität des Hundes.
Vor allem aber sind sie Hunde. Mit Ecken und Macken, Stärken und Schwächen, guten und weniger guten Tagen – und mit ausgesprochen individuellen Strategien, sich durchs Leben zu bewegen.
Und vermutlich ist genau das einer der Gründe, warum sie mich nach all den Jahren immer noch so faszinieren.
Was am Ende übrig bleibt
Vielleicht verbindet all das dieselbe Neugier. Ich möchte verstehen, warum Lebewesen so funktionieren, wie sie funktionieren, was sie aus dem Gleichgewicht bringt und was ihnen hilft, wieder hineinzufinden.
Ich liebe, was ich tue, und ich brenne nach wie vor für Hunde und ihr Verhalten, für Hormone und Physiologie, fürs Schreiben, für die Knipserei und für Turmfalken.
Und wenn es mir dabei gelingt, Wissen so zu vermitteln, dass Menschen etwas verstehen, etwas fühlen und vielleicht sogar noch darüber schmunzeln können, dann habe ich ziemlich genau das erreicht, was ich erreichen möchte.
Die Strodtbeck-Meute – meine besten Lehrmeister
Die Strodtbeck-Meute – meine besten Lehrmeister
Hunde begleiten mich, seit ich denken kann. Viele sind im Laufe der Jahre gekommen und gegangen, manche waren unkompliziert, andere eher eine praktische Fortbildung in angewandter Verhaltensbiologie. Jeder von ihnen hat meinen Blick auf Hunde geprägt – und vermutlich habe ich von ihnen mindestens genauso viel gelernt wie aus Studium, Fachbüchern und Fortbildungen.
Sie haben mir gezeigt, wie unterschiedlich Hunde mit derselben Welt umgehen können. Wie viel Biografie, Genetik, körperliche Voraussetzungen und Erfahrungen ausmachen; wie verschieden Stress aussehen kann und wie unterschiedlich Resilienz. Vor allem aber haben sie mich gelehrt, Hunde nicht vorschnell in Schubladen zu stecken und auch dort nach Stärken zu suchen, wo zunächst vor allem Baustellen ins Auge springen.
Güneş, das „Dönertier“
Türkischer Straßenhund, später Münchner Großstadthund, noch später Allgäuer Landei – ein Hund mit Migrationshintergrund. Niemand hatte Güneş gefragt, ob sie ihre türkische Mülltonne wirklich gegen eine Studenten-WG am Mittleren Ring eintauschen wollte, und sie zeigte mir zum ersten Mal sehr eindrücklich, welche Ausmaße Stress bei einem Hund annehmen kann.
Güneş wurde 13,5 Jahre alt und hatte mindestens genauso viele Stärken wie Schwächen. Ich brauchte damals allerdings eine ganze Weile, bis ich auch ihre Stärken erkennen konnte. Vielleicht war genau das eine ihrer wichtigsten Lektionen für mich.
Andra, das „Linchen“
Andra war ein Laborbeagle mit dem ursprünglich geplanten Berufsziel wissenschaftliche Assistentin in der Tierernährung. Nach einem Brand in der Universität saß sie als Welpe plötzlich allein in der Klinik. Ich nahm sie mit, um sie anschließend zu vermitteln – daraus wurde für die nächsten knapp 15 Jahre nichts.
Sie war eine fröhliche, liebenswerte und ausgesprochen resiliente Beagle-Hündin, die das Leben meistens gelassen nahm und nur bei Gewitter, an Silvester oder in Gegenwart von Schäferhunden ihre innere Stabilität verlor. Von Andra habe ich gelernt, dass auch ein insgesamt sehr stabiler Hund seine ganz eigenen Baustellen haben kann – und haben darf.
Piccolo, die „Piccozei“
Spitz-Chihuahua-Mix und der Inbegriff eines unkomplizierten Hundes. Piccolo war klug, anhänglich und mit seiner Welt weitgehend im Reinen, solange er mich irgendwo in seiner Nähe wusste.
Er wurde 18 Jahre alt und überzeugte nicht nur mich, sondern im Laufe seines Lebens auch diverse andere Menschen davon, dass Kleinhunde tatsächlich echte Hunde sind. Über Stress gab es bei Piccolo erfreulich wenig zu lernen. Auch das kann ausgesprochen lehrreich sein.
Meier, der Prototyp eines Beagles
Aus fünfter Hand übernommen und vom ersten Tag an überzeugt davon, dass sich die Welt im Grunde um ihn dreht. Meier war vermutlich der souveränste Hund, mit dem ich je zusammengelebt habe. In 17 gemeinsamen Jahren sah ich ihn vielleicht eineinhalb Mal mit Rute unten; selbst in schwierigen Situationen hatte er das Schicksal scheinbar immer fest im Griff – nicht umgekehrt. Zumindest, wenn man ihn fragte.
Freundlich, vollkommen aggressionslos, maximal selbstbewusst und Beagle durch und durch. Genau diese Souveränität machte mir das Leben manchmal ziemlich schwer. Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – vermisse ich ihn bis heute. Reibung erzeugt schließlich Wärme.
Piranha, das „Pü“
Piranha ist eine Chihuahua-Hündin aus einem Animal-Hoarding-Haushalt in Berlin-Marzahn. Ihr wurden so ziemlich alle Probleme nachgesagt, die ein Hund haben kann: Menschen beißen, nicht stubenrein sein, ununterbrochen kläffen, Jogger, Autos, Fahrräder und Pferde jagen und sowieso dauerhaft drüber sein.
Tatsächlich kam hier ein völlig hysterisches kleines Etwas an, das sich nach ungefähr zehn Minuten entschied, an meinen Hacken zu kleben – und dort bis heute klebt. Ein bisschen Resthysterie ist geblieben, aber Piranha kommt wunderbar durchs Leben. Sie hat mir eindrucksvoll gezeigt, wie wenig hilfreich die Schublade sein kann, in die ein Hund irgendwann gesteckt wurde. Heute darf sie einfach so sein, wie sie ist.
Rita-Line, genannt „Rita“
Zotteliges Dingsbums, Beagle-Terrier-Mix und damit das Einzige, was in meiner Vorstellung noch schlimmer war als ein Beagle. Rita stammt aus einem Ups-Wurf und zog bereits als Welpe bei mir ein.
Entgegen aller Befürchtungen hat sie die Ruhe weg – der Name hat offenbar funktioniert. Rita weiß ziemlich genau, was sie möchte, und noch genauer, was sie nicht möchte. Terrier halt. Menschen und anderen Hunden begegnet sie freundlich und gelassen und in einer Meute mit durchaus unterschiedlichen Befindlichkeiten ist sie häufig diejenige, die einfach stabil bleibt.
Rowohlt, genannt „Rowi“
Rowi ist ein Chihuahua-Rüde vom Vermehrer aus dem Ostblock. Seinen Namen verdankt er dem Vertrag für meinen ersten Roman bei Rowohlt, der am selben Tag hier ankam und von ihm direkt in seine Einzelteile zerlegt wurde. Damit waren die Besitzverhältnisse frühzeitig geklärt.
Mit knapp 15 Wochen siedelte er nach einem Zwischenstopp in Lübeck in die Strodtbeck-Meute um – im Gepäck jede Menge Misstrauen. Zum Glück landete er zwischen stabilen Hunden, von denen er lernen konnte. Bis heute begegnet Rowi vielem zunächst mit Skepsis, mir dagegen mit grenzenlosem Vertrauen.
Mit anderen Hunden kannte er lange hauptsächlich zwei Aggregatzustände: „Ich beiß da mal rein“ und „Flirty“. Inzwischen entscheidet er sich erfreulich häufig direkt für „Flirty“. Rowi ist vielleicht einer meiner spannendsten Lehrmeister dafür, was Sicherheit, soziale Unterstützung, Selbstwirksamkeit und Zeit verändern können – und dafür, dass Entwicklung irgendwann beginnt, aber keineswegs irgendwann abgeschlossen sein muss.
Sprotte, genannt „Spröttchen“
Sprotte ist ein Chihuahua-Mix aus einer Vermehrerhaltung und kam über den Umweg Tierheim als angeblicher Angsthund zu mir. Als ich sie abholte, war von ihr zunächst gar nichts zu sehen: Sie saß im Nebenzimmer hinter einer Couch in einer Box unter einer Decke. Ich nahm sie trotzdem mit.
Am ersten Abend war ich ziemlich sicher, dass sie ihrem Ruf gerecht werden würde. Ich hatte allerdings die Rechnung ohne Rowi gemacht, der damals selbst erst seit zwei Monaten hier lebte. Ausgerechnet dieser unsichere kleine Chihuahua-Mann schien an der Aufgabe zu wachsen: „Komm, Sprotte, ich erklär dir die Welt.“
Keine 24 Stunden später tobten die beiden gemeinsam über Tische und Bänke. Sprotte zieht seitdem ziemlich unbeirrt ihr eigenes Ding durch, lässt sich von ihren dreieinhalb Kilo herzlich wenig beeindrucken und kümmert sich zuverlässig darum, dass es ihr gut geht. Von ihr kann man einiges über Selbstwirksamkeit lernen.
Mupfel, das „Mupfeli“
Mupfel ist eine Beagle-Hündin aus einer Vermehrerhaltung, die nach der Beschlagnahmung eines illegalen Welpentransports über das Tierheim zu mir kam und mit gerade einmal 14 Wochen für den Rest ihrer Tollwutquarantäne hier einzog.
Viel kennengelernt hatte sie bis dahin offenbar nicht. Umso erstaunlicher war ihr erster Spaziergang, bei dem Mupfel durch den Ort marschierte, als würde er ihr schon immer gehören. Sie ist ein echtes Energiebündel, hat die Rassebeschreibung des Beagles sehr aufmerksam gelesen und ist als Laufhund genau das, was man sich darunter vorstellt: immer in Bewegung, gerne mit kaum zu überhörendem Spurlaut.
Gleichzeitig ist sie ausgesprochen sozialkompetent, kontaktfreudig und kooperativ und macht einfach unglaublich viel Spaß. Dass auch ein Hund mit schwierigen Startbedingungen nicht zwangsläufig zum „Problemhund“ werden muss, führt Mupfel ziemlich eindrucksvoll vor.
Neun Hunde, neun Persönlichkeiten – und ziemlich viele Lektionen
Güneş, Andra, Piccolo und Meier sind längst nicht mehr da. Piranha, Rita, Rowi, Sprotte und Mupfel bilden heute die Strodtbeck-Meute. Und natürlich gab und gibt es noch weitere Hunde, die meinen Weg gekreuzt und Spuren hinterlassen haben.
Wenn ich auf all diese Hunde zurückblicke, gibt es für mich nicht den resilienten Hund, den Angsthund, den schwierigen Hund oder den souveränen Hund. Es gibt Güneş und Andra, Piccolo und Meier, Piranha, Rita, Rowi, Sprotte und Mupfel – jeder mit seiner Geschichte, seinem Körper, seinen Erfahrungen, seinen Stärken und seinen Baustellen.
Vielleicht waren sie deshalb tatsächlich meine besten Lehrmeister. Sie haben mich immer wieder daran erinnert, dass Verhalten nie im luftleeren Raum entsteht, dass eine Diagnose oder ein Etikett noch keinen Hund erklärt und dass wir manchmal genauer hinschauen müssen, bevor wir glauben zu wissen, wen wir da eigentlich vor uns haben.
Und ganz nebenbei sorgen sie seit Jahrzehnten dafür, dass mir weder der Stoff fürs Schreiben noch für meine Seminare ausgeht.

